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Ingwer bei Verdauung: eine Wurzel mit Tradition

Scharf, wärmend und seit Jahrtausenden geschätzt – die Ingwerwurzel gehört zu den bekanntesten Küchengewächsen mit einem Platz in der überlieferten Pflanzenheilkunde.

Kaum eine Küchenzutat ist zugleich so fest in der Heilkunde verwurzelt wie der Ingwer. Die knollige, scharf schmeckende Wurzel – botanisch das Rhizom von Zingiber officinale – wird in Asien seit Jahrtausenden geschätzt und hat längst auch in europäischen Küchen und Teetassen ihren Platz gefunden. Besonders rund um Magen und Verdauung geniesst sie einen guten Ruf: Wer sich unwohl fühlt oder mit Reiseübelkeit kämpft, greift traditionell gern zur Ingwerwurzel. Dieser Beitrag ordnet ruhig ein, wofür Ingwer überliefert ist, wie Sie daraus einen Tee bereiten und worauf Sie bei Dosierung und Wechselwirkungen achten sollten.

Eine Wurzel mit langer Geschichte

Der Ingwer stammt ursprünglich aus dem tropischen Südostasien und zählt zu den ältesten Gewürz- und Heilpflanzen überhaupt. In den traditionellen Heilkunden Indiens und Chinas ist er seit über zweitausend Jahren ein fester Bestandteil, von wo aus er über die alten Handelswege nach Europa gelangte. Verwendet wird nicht die eigentliche Wurzel, sondern das verdickte, unterirdisch wachsende Rhizom – jene knollige, verzweigte Sprossachse, die wir im Handel als «Ingwerwurzel» kennen.

Ihren unverwechselbaren Charakter verdankt die Wurzel zwei Gruppen von Inhaltsstoffen. Für die brennende Schärfe sorgen die sogenannten Scharfstoffe, allen voran die Gingerole und – vor allem in getrockneter Ware – die daraus entstehenden Shogaole. Für das würzig-zitronige Aroma ist das ätherische Öl verantwortlich. Frischer Ingwer schmeckt daher milder und fruchtiger, während getrocknete Wurzel schärfer und wärmer wirkt. Wer sich für die Wirkstoffgruppen von Heilpflanzen allgemein interessiert, findet im Heilpflanzen-Ratgeber einen ruhigen Überblick.

Steckbrief: Ingwer

Botanisch: Zingiber officinale Roscoe, Familie der Ingwergewächse.

Verwendeter Teil: das getrocknete oder frische Rhizom (Zingiberis rhizoma).

Inhaltsstoffe: Scharfstoffe (Gingerole, Shogaole) und ätherisches Öl.

Traditionell geschätzt für: Reiseübelkeit und leichte Verdauungsbeschwerden.

Ingwer bei Verdauung und Übelkeit

Der bekannteste Anwendungsbereich des Ingwers betrifft den Magen-Darm-Trakt. Die europäische Zulassungsbehörde EMA führt die Wurzel über ihren Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel – zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit sowie zur Linderung leichter, krampfartiger Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen. Auch die deutsche Kommission E und die Weltgesundheitsorganisation beschreiben diese überlieferte Verwendung. Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich um eine traditionelle Anwendung, die auf langjähriger Erfahrung beruht, nicht um ein Heilversprechen bei ernsteren Erkrankungen.

Warum Ingwer bei einem flauen Magen als angenehm empfunden wird, ist Gegenstand der Forschung. Diskutiert wird ein Zusammenwirken der Scharfstoffe mit Rezeptoren im Verdauungstrakt; die Wurzel wird traditionell den «warmen», die Verdauung anregenden Mitteln zugerechnet. Für einzelne Situationen wie Übelkeit in der Schwangerschaft liegen zudem systematische Übersichtsarbeiten vor, die insgesamt vorsichtig positiv, aber uneinheitlich ausfallen. Solche Studien ersetzen keine ärztliche Beratung, unterstreichen jedoch, weshalb die alte Erfahrung bis heute Beachtung findet.

bis 2 ggetrocknete Ingwerwurzel als übliche Tagesmenge in der traditionellen Anwendung (EMA/HMPC)
0,5–1 gzerkleinerte Wurzel pro Tasse für einen Aufguss
5–10 Min.Ziehzeit für einen zugedeckten Ingwertee

Ingwertee und andere Zubereitungen

Am einfachsten und beliebtesten ist der frische Aufguss. Dafür schälen Sie ein kleines Stück der Wurzel, schneiden zwei bis drei dünne Scheiben ab und übergiessen sie in der Tasse mit heissem – nicht mehr kochendem – Wasser. Zugedeckt lässt man den Tee fünf bis zehn Minuten ziehen; das Abdecken hält die flüchtigen ätherischen Öle im Getränk. Je länger und je mehr Ingwer, desto schärfer das Ergebnis. Ein Spritzer Zitrone oder etwas Honig mildern die Schärfe und machen den Tee bekömmlicher.

Neben dem frischen Tee sind auch getrocknete, geschnittene Wurzel und Ingwerpulver gebräuchlich. Beide sind schärfer und ergiebiger, weshalb man sie sparsamer dosiert. Kandierter Ingwer wiederum ist ein beliebter Reisebegleiter, enthält aber viel Zucker. Wer den kräftigen Geschmack mit milderen Kräutern ausgleichen möchte, kann Ingwer gut mit anderen Pflanzen kombinieren – Anregungen dazu finden Sie im Beitrag Kräutertee selber mischen. Auch mit Pfefferminze harmoniert die Wurzel gut zu einer wärmenden Verdauungsmischung.

ZubereitungMenge pro TasseZiehzeitHinweis
Frische Wurzel (Scheiben)2–3 dünne Scheiben5–10 Min.mild, fruchtig; abdecken
Getrocknete Wurzelca. 0,5–1 g10 Min.schärfer, sparsamer dosieren
Ingwerpulver1 Messerspitzekurz aufgiessensehr ergiebig, gut verrühren

Sicher anwenden: Grenzen und Wechselwirkungen

In üblichen Küchen- und Teemengen gilt Ingwer für die meisten Menschen als gut verträglich. Gelegentlich kann die Schärfe bei empfindlichem Magen, Sodbrennen oder Reflux unangenehm sein – dann hilft es, die Menge zu verringern oder mildere Kräuter beizumischen. Wie bei jeder Heilpflanze gilt: Sie ist eine sanfte Unterstützung des Wohlbefindens und kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung.

Wann Zurückhaltung angebracht ist. Ingwer kann rechnerisch die Blutgerinnung beeinflussen. Wer blutverdünnende Medikamente (Antikoagulantien) einnimmt, vor einer geplanten Operation steht oder an einem Gallensteinleiden leidet, sollte die regelmässige Anwendung grösserer Mengen vorher ärztlich oder in der Apotheke besprechen. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist die gezielte Einnahme grösserer Mengen nur nach Rücksprache angezeigt; für Säuglinge und Kleinkinder sind konzentrierte Zubereitungen ungeeignet. Bei anhaltenden, starken oder unklaren Magen-Darm-Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hand.

Häufige Fragen

Wobei wird Ingwer traditionell angewendet?

Die Ingwerwurzel wird traditionell zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit sowie bei leichten, krampfartigen Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen geschätzt. Diese überlieferte Verwendung ist unter anderem in den Monographien von EMA/HMPC und der Kommission E beschrieben. Sie ersetzt keine ärztliche Abklärung, wenn Beschwerden anhalten oder unklar sind.

Wie bereite ich Ingwertee zu?

Für einen frischen Aufguss schneidet man etwa zwei bis drei dünne Scheiben (rund ein bis zwei Zentimeter) einer geschälten Ingwerwurzel in eine Tasse, übergiesst sie mit heissem Wasser und lässt sie zugedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen. Das Abdecken hält die ätherischen Öle im Tee. Wer es schärfer mag, lässt den Ingwer länger ziehen; ein Spritzer Zitrone oder etwas Honig rundet den Geschmack ab.

Wie viel Ingwer pro Tag ist üblich?

In der traditionellen Anwendung gilt getrocknete Ingwerwurzel bis zu einer Tagesmenge von rund zwei Gramm als üblich; für einen Tee rechnet man etwa 0,5 bis 1 Gramm zerkleinerte Wurzel pro Tasse. Frischer Ingwer ist milder, hier darf die Menge etwas grösser ausfallen. Wer regelmässig grössere Mengen verwenden möchte, bespricht dies am besten vorher ärztlich oder in der Apotheke.

Hilft Ingwer gegen Reiseübelkeit?

Ingwer wird traditionell zur Vorbeugung von Übelkeit auf Reisen verwendet, etwa im Auto, Bus oder auf dem Schiff. Üblicherweise nimmt man ihn eine Weile vor Reisebeginn ein. Bei ausgeprägter Reisekrankheit oder auf längeren Reisen kann eine Beratung in der Apotheke sinnvoll sein, um die passende Massnahme zu wählen.

Ist Ingwer in der Schwangerschaft unbedenklich?

In üblichen Küchenmengen gilt Ingwer allgemein als gut verträglich. Für die gezielte Anwendung grösserer Mengen in der Schwangerschaft – etwa bei Schwangerschaftsübelkeit – ist die Datenlage jedoch begrenzt, und Fachgesellschaften raten zur Zurückhaltung. Schwangere sollten die Anwendung deshalb vorher ärztlich oder in der Apotheke abklären lassen.

Welche Wechselwirkungen sind bei Ingwer zu beachten?

Ingwer kann rechnerisch die Blutgerinnung beeinflussen. Wer blutverdünnende Medikamente einnimmt, vor einer Operation steht oder unter einem Gallensteinleiden leidet, sollte die regelmässige Anwendung grösserer Mengen vorher ärztlich oder in der Apotheke besprechen. Bei empfindlichem Magen oder Reflux kann die Schärfe zudem unangenehm sein. In üblichen Küchen- und Teemengen sind solche Wechselwirkungen selten.

Quellen

  1. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC). European Union herbal monograph on Zingiber officinale Roscoe, rhizoma. Amsterdam: EMA; 2012.
  2. ESCOP. ESCOP Monographs: The Scientific Foundation for Herbal Medicinal Products (Zingiberis rhizoma). 2. Aufl. Stuttgart/New York: Thieme; 2003.
  3. Blumenthal M, Busse WR, Goldberg A, Hrsg. The Complete German Commission E Monographs (Ginger root). Austin: American Botanical Council; 1998.
  4. World Health Organization. WHO Monographs on Selected Medicinal Plants, Vol. 1 (Rhizoma Zingiberis). Genf: WHO; 1999.
  5. Viljoen E, Visser J, Koen N, Musekiwa A. A systematic review and meta-analysis of the effect and safety of ginger in the treatment of pregnancy-associated nausea and vomiting. Nutr J. 2014;13:20. doi:10.1186/1475-2891-13-20
  6. Palatty PL, Haniadka R, Valder B, Arora R, Baliga MS. Ginger in the prevention of nausea and vomiting: a review. Crit Rev Food Sci Nutr. 2013;53(7):659–669. doi:10.1080/10408398.2011.553751